Ihr werdet es wahrscheinlich schon an der Überschrift gemerkt haben: dieser Eintrag wird vermutlich der letzte sein, der sich mit meinem Aufenthalt in Schweden beschäftigt – in einer knappen Woche werde ich ‚laut Plan’ wieder in Deutschland anzutreffen sein. Doch bevor ich euch mit dieser Nachricht die Vorfreude auf diesen Eintrag verderbe, fange ich lieber an zu berichten…
Zunächst einmal: wenn ihr meinen Erlebnissen in Lappland, die ich auch bald unter diesem Titel in Buchform publizieren werde (…) nicht glaubt, könnt ihr Zeugen haben: ich war nicht der einzige Reisende. Zusammen mit vier Heidelberger Kommilitonen ging es am ersten Januar im Nachtzug nach Abisko im Nord(west)en Schwedens (oder ‚links oben’, wenn ihr eine präzise Beschreibung bevorzugt…) – Entfernung: ca. 1200 km, Reisezeit: 17 Stunden. Eine recht angenehme Art zu reisen, sofern man keinen zu engen Terminkalender hat: denn auch wenn die schwedische Bahn normalerweise schon recht pünktlich ist, kann es auf so einer Strecke schon zu etwas Verspätung kommen. In unserem Fall summierte sie sich auf eineinhalb Stunden, in manchen Fällen soll sie aber noch extremer sein. Wobei der Hauptgrund für die Verspätung auf unserer Fahrt die Wartezeiten auf andere Züge und nicht Schnee oder ähnliches war. Denn Lappland (speziell Kiruna) ‚lebt’ vom Eisenabbau; das ‚Erz’ wird per Bahn an die Häfen in Narvik (Norwegen, aufgrund des Golfstroms eisfrei) und Luleå befördert; und die Eisenbahnstrecke ist nicht immer zweispurig…
Die Landschaft um Abisko jedenfalls kann sich sehen lassen – nicht umsonst gilt die Bahnstrecke der Erzbahn dort als eine der schönsten Strecken Schwedens. Um den riesigen Sees ‚Torneträsk’ herum gibt es sehr viele Berge, unter anderem das ‚bekannte’ Trogtal ‚Lapporten’ (Lappenpforte), das ihr unten sehen könnt. Eine beeindruckende, wenig bevölkerte Landschaft.
Ein weiteres Erlebnis lässt sich auch noch berichten. An unserem ersten Abend in Abisko saßen wir um den im Hauptgebäude unserer Unterkunft ausgeliehenen Bildband herum, um uns einen Eindruck von der Landschaft in unserer Nähe zu verschaffen, die schon seit einigen Stunden in der Dunkelheit versunken war. Als wir zu einer Fotografie des Nordlichtes kamen, wurde plötzlich der Vorschlag laut, doch einmal selbst aus dem Fenster zu schauen, bevor man sich zu sehr von gemachten Fotos berieseln lässt – und siehe da, da waren sie… Zugegebenermaßen erst nach einer kleinen Diskussion. Denn auch wenn die Fotos meiner Kommilitonin recht viel versprechend aussahen (ich selber habe kein Stativ und insofern nicht die Möglichkeit, ein selbst geschossenes Foto zu zeigen), war das Licht mit bloßem Auge nicht sofort eindeutig als Nordlicht zu identifizieren. Manche Farbintensität wird durch lange Belichtungszeiten bewirkt und erscheint mit bloßem Auge anders… In der nächsten Nacht jedoch waren dann die Zweifel beseitigt: bei fast unbewölktem Himmel konnten wir der Dynamik dieses Naturschauspiels zusehen – sehr beeindruckend, wenn auch dem Wunsch nach stundenlanger Betrachtung die Temperatur der Füße Einhalt gebietet…
Die nächste – und vor der Rückreise letzte – Station der Reise war die ‚Eisenstadt’ Kiruna – eine Stadt, die so sehr von ihrer Eisenerzmiene bestimmt ist, dass sie in den nächsten Jahren umgezogen werden muss, da der immer tiefer unter der Erde durchgeführte Magnetitabbau die Stabilität immer größerer Teile der Stadt gefährdet. Bürokratieprobleme mit dem Staat muss der Betreiber der Miene bei diesem Unternehmen (der Stadtrat hat noch nicht beschlossen, wo die neuen Häuser nun gebaut werden sollen) nicht rechnen: der Eigentümer der Miene ist zu 100% der Staat. Wir sind in Schweden…
In Kiruna hatten wir auch die Möglichkeit, an einem zweitägigen ‚Erlebnisausflug’ in die ‚Wildnis’ teil zu nehmen. Und es war kalt am ersten Tag. Es braucht schon ca. -30°C, damit ein ca. 0°C warmer Fluss (der aufgrund eines kleinen Wasserfalls an manchen Stellen noch fließt) an der Luft dampft (s.u.)…
Übernachtet wurde in einer Lappenhütte: einer aus Holz gebauten Hütte, die allerdings untypischerweise mit einem Backsteinkamin versehen war. Was allerdings – im Gegensatz zu einer anderen, auch mit Holz beheizten Hütte – nicht bedeutete, dass es außerordentlich warm darin gewesen wäre… In diesem Kontext kann man die Erfindung der Sauna durchaus verstehen – denn wie hat man sonst in diesen Breitengraden die Möglichkeit, einen Temperaturunterschied von ca. 90°C zu erleben?
Ich komme zum Ende. Lappland ist ein reizvolles Land, auch wenn es im Winter aufgrund seiner Temperaturen und im Sommer aufgrund seiner Mücken wohl nicht zu den begehrtesten Siedlungsräumen Europas gehört. Aber wer sich zufällig in Schweden aufhält und Spaß am Bahnfahren hat, der sollte nicht davor zurück schrecken, im Sommer (in welchem man durch die Mitternachtssonne die Möglichkeit hat, noch mehr von der Landschaft zu sehen) eine ausgedehnte Bahnfahrt in den Norden zu unternehmen.
Somit bleibt mir zum Schluss zu sagen: Danke fürs Lesen und Rückmeldung geben. Das soll nicht heißen, dass ich nicht hier oder woanders auf ähnlichem Wege mal wieder etwas von mir hören lasse; aber über Schweden selber wird es in den nächsten Monaten wohl weniger zu berichten geben. Tempus fugit...
In diesem Sinne ein herzliches 'Hej då' (Tschüss) und 'Ha det så bra' (Mach's gut)!